StartseiteLesetippsNichts hat die Sicherheit der NATO-Staaten mehr untergraben als die NATO selbst!

Von einem Rückzug der USA aus der NATO hätten die US-Bürger den größten Nutzen.“

Tony Cartalucci*)

In der ‚New York Times‘ vom 14.1. 2019 war in einen Artikel mit der Überschrift: ‚Nach Aussagen von Mitarbeitern hat Trump trotz der Probleme mit Russland den Austritt aus der NATO erwogen‘ zu lesen: Es gibt wenige Dinge, die sich der russische Präsident Wladimir W. Putin mehr wünscht als die Schwächung der NATO … Im letzten Jahr hat Präsident Trump eine Maßnahme in Betracht gezogen, die gleichbedeutend mit dem Zerbrechen der NATO wäre: den Austritt der USA aus der Allianz.

Von der Spaltung oder Auflösung der NATO würde zwar auch Russland profitieren, weil dann der Aufmarsch eines gefährlichen, aggressiven und äußerst bedrohlichen Militärbündnisses an seinen Grenzen und damit auch die vergiftete Atmosphäre andauernder Konfrontation enden würden, den viel größeren Nutzen hätten aber ganz sicher die NATO-Staaten insgesamt – aber auch jeder einzelne von ihnen.  Nichts hat die Sicherheit der NATO-Staaten mehr untergraben als die NATO selbst. Die NATO ist keineswegs gegen die angebliche Bedrohung gerichtet, die früher der Sowjetunion unterstellt wurde und heute von Russland ausgehen soll; die NATO dient vielmehr ausschließlich dazu, die politische und militärische Stärke Europas zu bündeln und missbräuchlich für die Angriffskriege der USA zu nutzen, die außerhalb des Bündnisgebietes geführt werden, zu dessen Schutz sie eigentlich geschaffen wurde. Nach Angaben auf ihrer eigenen Website soll die NATO nur die Freiheit und Sicherheit ihrer Mitglieder mit politischen und militärischen Mitteln garantieren. In Anbetracht dieser Zielsetzung ist zu fragen, was die jetzt schon 17 Jahre andauernde  Besetzung Afghanistans durch Truppen der USA und anderer NATO-Staaten mit der Freiheit und Sicherheit der NATO-Mitglieder in Nordamerika und Europa zu tun hat; Afghanistan, ein Land, das kein einziges NATO-Mitglied bedroht und das auch überhaupt nicht könnte, weil im die Mittel dazu fehlen. Die andauernde Besetzung Afghanistans hat Terrororganisationen entstehen lassen, die es vorher nicht gab – zum Beispiel den so genannten „Islamischen Staat“, der Afghanistan als Sprungbrett für seine Ausbreitung in Zentralasien nutzt. Das Afghanistan-Abenteuer hat NATO-Mitglieder viel Geld und vielen Soldaten das Leben gekostet.  Gräueltaten der NATO wie die mit Kampfjets und Drohnen durchgeführten Bombenangriffe auf Zivilisten, die Folterungen und andere Schandtaten haben nicht nur dem Ansehen des Bündnisses, sondern auch der politischen Reputation einzelner NATO-Mitglieder schweren Schaden zugefügt. Auch die Tatsache, dass die NATO ihre in Afghanistan verfolgten Ziele auch nach fast zwei Jahrzehnten nicht erreicht hat, untergräbt die von ihr beanspruchte politische Legitimität und die Vertrauenswürdigkeit des Bündnisses und seiner Mitgliedsstaaten.

Eine weitere fragwürdige NATO-Aktion fand 2011 in Libyen statt. Die Verwüstung Libyens löste eine Flüchtlingswelle aus, die nach Europa schwappte und seither die sozioökonomische Stabilität und innere Sicherheit im Herzens des NATO-Bündnisgebietes gefährdet. Libyen selbst wurde zu einem „gescheiterten Staat“ zerbombt, der Terroristen als Sprungbrett nicht nur in andere nordafrikanische Staaten, sondern auch in andere Weltregionen dient. …

Die NATO betätigt sich als geopolitische Abrissbirne – sie zerschlägt die regionale und globale Sicherheit, statt sie zu erhalten. Das angerichtete Chaos nutzt sie dann aus, um ihren Einflussbereich immer weiter auszudehnen. Mit ihren Aktivitäten setzt sie ihre  Mitgliedsstaaten Gefahren aus, die ohne diese Aktivitäten nicht entstanden wären.

Nutzen aus diesen NATO-Aktivitäten ziehen nur wenige. Die Steuerzahler der NATO-Staaten haben nach einer Studie der Brown University allein für den Einsatz in Afghanistan fast 6 Billionen Dollar (6 000 000 000 000 $)  aufbringen müssen. Dieses Geld ist nicht einfach in einem schwarzen Loch verschwunden. Die meisten Dollars wurden von Waffenherstellern und privaten Sicherheitsfirmen einkassiert. Die Mehrheit der Menschen in den NATO-Staaten hätte es – unabhängig von ihren politischen Ansichten – lieber gesehen, wenn sie weniger Steuern hätte zahlen müssen oder ihre Steuergelder wenigstens in soziale Programme geflossen wären.

Die Hand voll Rüstungskonzerne und ihre Aktionäre, die Profite aus dem Fortbestand der NATO ziehen, nutzen ihre massiven Gewinne aus den endlosen Kriegen und Aufmärschen des Bündnisses rund um den Globus auch dazu aus, die öffentliche Wahrnehmung zu manipulieren; das geschieht gerade wieder im Zusammenhang mit Trumps angedrohtem NATO-Austritt. Ironischerweise fallen auch viele Leute aus dem sich links gebenden politischen Spektrum der USA, die sich eigentlich dafür einsetzen müssten, dass die in den vielen Kriegen verschwendeten Steuergelder für soziale Programme in den USA ausgegeben werden, auf die Propagandatricks herein, und fordern ebenfalls den Erhalt der NATO, trotz der ihr vorzuwerfenden Verschwendungssucht und Kriegstreiberei.

Die NATO muss sich nicht gegen Russland verteidigen, sie will es zerstören. Die NATO wurde mit der eigentlich nicht zu kritisierenden Absicht begründet, man wolle ein kollektives Militärbündnis zur glaubwürdigen Abschreckung eines Angriffs von außen bilden. Hielte sich die NATO daran, müsste sie sich um ein Gleichgewicht der Kräfte und um bessere Beziehungen zu Staaten wie Russland bemühen. Die Behauptung, Russland bedrohe Westeuropa und wolle es schlucken, ist völlig absurd. Dass Russland vom Handel mit Europa abhängig ist, sagt sogar die EU-Kommission. In Wirklichkeit ist Moskau darum bemüht, seine Handelsbeziehungen zur EU insgesamt und zu einzelnen europäischen Staaten auszubauen, weil seine Wirtschaft nur dadurch wachsen kann.

Eine mit wirtschaftlicher Kooperation statt militärischer Konfrontation gekoppelte, zurückhaltendere „Abschreckung“ brächte sowohl Russland als auch der Europäischen Union wirtschaftliche Vorteile, wäre aber natürlich nicht im Interesse der Rüstungs- und besonders der Energieindustrie der USA, die den russischen Gasexport nach Westeuropa am liebsten ganz unterbinden würde. Eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und Westeuropa würde auch die  hegemonistischen Bestrebungen der US-Außenpolitik durchkreuzen, die seit Jahrzehnten versucht, Europa zu spalten und Russland militärisch und wirtschaftlich zu unterjochen.

Es ist ein Treppenwitz der Weltgeschichte, dass die NATO-Rhetorik Russland zum Aggressor stempeln will, der Westeuropa einkassieren möchte, während gleichzeitig immer mehr US-Truppen in immer mehr europäischen Staaten bis unmittelbar vor der russischen Grenze auftauchen – angeblich um sie zu „schützen“. Dabei geht es nicht um die Interessen dieser Staaten, sondern primär um die Interessen Washingtons und der Wall Street.

Mit einem Rückzug der USA aus der NATO, was einem Zerfall der NATO gleich käme, würden auch ihre jahrelangen Angriffskriege, die Destabilisierung anderer Staaten, die ständige Gefährdung des Weltfriedens und der Sicherheit Europas und die Verschwendung von Billionen Steuergeldern in allen Mitgliedsstaaten  enden. Und das würde den Interessen aller Menschen in der USA und in Europa dienen – völlig unabhängig von ihren jeweiligen politischen Ansichten.

Die NATO versucht schon immer sehr aggressiv Russland einzukreisen, zurückzudrängen und seiner politischen Ordnung zu berauben – nicht weil Moskau eine Bedrohung für die Sicherheit der NATO oder einiger ihre Mitgliedsstaaten wäre, sondern weil Russland von den Drahtziehern, die sich der NATO zur Durchsetzung ihrer Interessen bedienen, als Konkurrent betrachtet wird. Das ist keine Spekulation, denn genau das hatten die USA und Großbritannien schon nach dem Zerfall der Sowjetunion vor. Die Zerschlagung der Souveränität Russlands konnte nur durch das Gegensteuern des russischen Präsidenten Wladimir Putin verhindert werden.

Von der Spaltung oder dem Zerfall der NATO würde nicht nur Russland profitieren, profitieren würden auch alle Staaten, zu denen Russland dann konstruktive und nachhaltige diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen knüpfen könnte, die ihm jetzt in der von der NATO aufrechterhaltenen Atmosphäre der Konfrontation verwehrt bleiben. Das wäre ein Gewinn für alle, denn von der jetzigen Situation profitieren nur die Rüstungs- und Finanzindustrie der USA – durch Ausschaltung nicht nur der russischen, sondern auch der westeuropäischen Konkurrenz.

Für die übergroße Mehrheit der Menschen und die zivile Wirtschaft in den Mitgliedsstaaten der NATO ist die Zerschlagung dieses längst überflüssig gewordenen Bündnisses zur Überlebensfrage geworden.

*)Auszug aus: http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP02319_220219.pdf , Original: www.globalresearch.ca/us-withdrawal-from-nato-would-benefit-americans-most-of-all/, 21.1.‘19

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