StartseiteAktuellesOffener Brief an Martin Schulz und Sigmar Gabriel

Würselen, den 7. April 2017

Guten Abend, Sigmar Gabriel und Martin Schulz!

Es ist in unseren Augen eine Ungeheuerlichkeit, dass, wie aus Mitteilungen von Reuters hervorgeht, Sie beide Verständnis für den völkerrechtswidrigen US-Raketenangriff auf syrisches Territorium bekunden.
Wir unterstützen vollinhaltlich die unten ungefügte Pressemitteilung des Aachener Antikriegsbündnisses zu diesem Vorfall!

Besorgte Grüße
Helene+Ansgar Klein, Sprecher der ‚Würselener Initiative für den Frieden‘ und Co-Sprecher der Aachener Aktiongemeinschaft „Frieden jetzt!“
Rosengarten 11, 52146 Würselen

„Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“ Bert Brecht zugeschrieben

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PM des Antikriegsbündnisses:

Sehr geehrte Damen und Herren,

gegen den US-Raketenangriff auf eine syrische Luftwaffenbasis ruft das
Antikriegsbündnis Aachen zu einer Protestkundgebung auf.

Die Kundgebung findet morgen, Samstag den 8.4.2017 um 12 Uhr am
Willy-Brandt-Platz in Aachen statt.

Statt eine Untersuchung des Giftgaseinsatzes mit über 80 Toten
abzuwarten, haben die USA Syrien angegriffen, ohne Belege für die Schuld
Syriens vorzulegen. Dabei erscheint es auch völlig unplausibel, wieso
die syrische Regierung einen Giftgaseinsatz durchführen sollte, wenige
Tage nachdem US Aussenminister Tillerson erklärt hatte, die USA
bestünden nicht mehr auf einem Rückzug Assads als Bedingung für eine
politische Lösung.
„Wem nützt der Giftgasangriff? Das ist die zentrale Frage die wir
stellen müssen“ meinte so auch Prof. Günter Meyer, Leiter des Zentrums
für Forschung zur Arabischen Welt an der Universität Mainz in einem
Interview in WDR 5 am 6.4.2017 und weiter: “ es nützt nicht dem Regime,
es spricht alles dagegen, dass ein absichtlicher Giftgasangriff von
seiten der Regierung durchgeführt wurde…“

Die Aachener Nachrichten hatten in einem Artikel vom 5.4.2017 eine
Parallele gezogen zum Giftgasangriff in Damaskus 2013 mit mehr als 1400
Toten, der der syrischen Regierung angelastet worden war. Der damalige
US-Präsident Obama hatte eine angekündigte Vergeltungsoffensive
völlig überraschend gestoppt, nachdem vom britischen Geheimdienst
untersuchte Bodenproben ergeben hatten, dass das bei Damaskus
eingesetzte Sarin nicht aus Beständen der syrischen Armee stammte.
Drei Monate später wurde dann allerdings Sarin bei 13 Mitgliedern der
Al-Nusra Front im türkischen Adana gefunden…eine Aufklärung des
Skandals wurde durch den türkischen Geheimdienst verhindert…

Das Antikriegsbündnis will mit dem Protest davor warnen, dass durch das
von Präsident Trump angekündigte verstärkte Eingreifen der USA gegen
Syrien eine weitere schlimme Eskalation des Syrien-Krieges mit dem
Risiko eines Zusammenstoßes zwischen den USA und Russland eintreten kann.

„In Syrien wird ein Stellvertreterkrieg geführt zwischen den USA, der
Türkei und den Golfstaaten auf der einen Seite und Russland, Iran und
China auf der anderen Seite… Es geht um Machtpolitik. Es geht darum,
Russland und den Iran kleinzuhalten. Und Syrien ist das Schlachtfeld,
auf dem dieser Kampf jetzt ausgetragen wird. “ erklärte am 7.4.17 der
Nahostexperte Michael Lüders im NDR-Radio. „Ein solcher Angriff kann
sehr schnell eskalieren… Wenn man nicht sehr genau aufpasst, dann
besteht die Gefahr, dass sich die beiden Nuklearmächte USA und Russland
bald in einer ernsthaften Konfrontation befinden“ .

Bundeskanzlerin Merkel und die Minister Gabriel und von der Leyen haben
ihr Verständnis und ihre Zustimmung zum US-amerikanischen Angriff auf
Syrien erklärt.
Der Aachener Bundestagsabgeordnete der Andrej Hunko hat hingegen wie
mehrere Mitglieder seiner Partei ‚die Linke‘ vor einer Zuspitzung des
Krieges gewarnt, den Angriff verurteilt und darauf hingewiesen, dass er
gegen einen souveränen Staat geführt wurde, was gegen internationales
Recht verstoße.

Herr Hunko wird auf der Protestkundgebung am morgigen Samstag um 12 Uhr
am Willy-Brandt-Platz sprechen.

Wir bitten Sie darum, Ihre Leser auf die Kundgebung hinzuweisen und
einen/eine Berichterstatter/in zu entsenden.

Freundliche Grüße
Rudolf Gottfried
Für das Antikriegsbündnis Aachen

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